Auf das Thema antworten  [ 23 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste
Positives Denken und Kindererziehung, wie verwirklichen? 
Autor Nachricht
Benutzeravatar

Registriert: 10.04.2007, 01:16
Beiträge: 312
Liebe Anastasia-Freunde,

ich lese gerade in Band 3 Anastasias Ausführungen zur Kindererziehung und auch die Begebenheiten in der Waldschule in Gelendschik. Ich merke immer mehr, dass ich vieles falsch gemacht habe bei meinen Kindern (8, 12, und 14). Die schwerste Aufgabe ist aber wohl meine jüngste 8-jährige Tochter Dorothea. Sie ist Autist, redet nicht, schreibt und liest nicht und wird nur mit Widerständen sauber. Hinzu kommen noch Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Und sie rückt mir bei jeder Gelegenheit aus, manchmal auch weiter weg und an Gefahrenstellen (Kreuzungen, Bahnschienen). Mein Hauptproblem aber ist, dass jeder zweite Satz von mir ein negativer ist: z.B. nicht an die Autos kratzen, nicht mit dem Wasser im Haus spritzen, nicht überall klingeln, nicht an die Kaninchen gehen (sie reißt ihnen das Fell aus), nicht in der Gaststätte anderen Leuten das Essen vom Teller essen, nicht dauernd weglaufen, nicht dauernd vom Honig naschen usw. usw. Dorothea versteht fast jedes Wort, da tut es mir leid, dass sie fast nur Verbote von mir zu hören bekommt. Sie denkt sich auch immer neuen Blödsinn aus, vor allem, wenn ich mich kurz (länger geht gar nicht) mit ihren Geschwistern unterhalte. Sie verlangt mindestens 70 % Aufmerksamkeit. Sie lebt immer etwa 2 Wochen bei der Mutter und 2 Wochen bei meiner Lebensgefährtin und mir. Positiv: Wenn wir in der Natur sind, ist alles viel entspannter, fast keine Verbote und wir genießen es. Ich wünsche mir, dass ich sie auf ihrem Lebensweg begleite, dass ich die vielen Verbote in Wegweisungen umwandele. Kann mir jemand raten, wie ich das bewerkstelligen kann?

Andreas


29.04.2007, 21:53
Profil Website besuchen

Registriert: 09.09.2006, 18:41
Beiträge: 39
Wohnort: bei Hamburg
Beitrag 
Neben einem Verbot sollst du gleich aussprechen, welches Verhalten erwünscht ist.
Z.B. Nicht in der Gaststätte anderen Leuten das Essen vom Teller essen. Du sollst von eigenem Teller essen.
Nicht mit dem Wasser im Haus spritzen. Du darfst mit dem Wasser im Garten spritzen.
Wenn das Kind positives Verhalten zeigt, sollst es gleich loben.
Ansonsten hast du deine Frage schon selbst beantwortet:
Zitat:
Wenn wir in der Natur sind, ist alles viel entspannter, fast keine Verbote und wir genießen es.


29.04.2007, 22:54
Profil
Benutzeravatar

Registriert: 10.04.2007, 01:16
Beiträge: 312
Beitrag 
Danke Irena! Das ist ein echt guter Tipp. Dann kann ich Negativsätze, die mir noch manchmal rausrutschen, wieder gut machen. Das wird mir auf jeden Fall weiterhelfen. Vielen Dank!

Andreas


30.04.2007, 22:11
Profil Website besuchen

Registriert: 17.03.2008, 15:21
Beiträge: 9
Wohnort: Attergau - Österreich
Beitrag 
Hallo Andreas,

dieser Beitrag ist zwar schon ziemlich alt aber grade deshalb interessiert mich sehr, ob und wie du diese Herausforderung gemeistert hast.
Ich habe nämlich ein ähnliches Problem mit meiner 11jährigen Tochter (sie ist keine Autistin dafür in so einer Art "Vorpupertät") und finde es ziemlich schwierig, in Akutsituationen positive Verstärkungen statt negativen Verboten auszusprechen.
Ein wenig hat mir das Buch "Gewaltfreie Kommunikation" von Marshall Rosenberg geholfen, um seine Erkenntnisse aber wirklich zu automatisieren, bräuchte ich öfter mal Supervision.

Ich bin allerdings überzeugt von der unbedingt positiven Wirkung auf Kinder UND Eltern, wenn es die Möglichkeit eines Familienlandsitzes gibt.
Aber es ist mit Sicherheit auch schon vorher möglich, eine wirklich gute, liebevolle und respektvolle Beziehung zueinander aufzubauen...

lg, Sina


17.03.2008, 17:42
Profil
Benutzeravatar

Registriert: 10.04.2007, 01:16
Beiträge: 312
Beitrag 
Hallo Sina,

herzlich willkommen im Forum! Deine ersten Beiträge bringen richtig gute Energie hier hinein!

Zu Deiner Frage: Um ehrlich zu sein, ich arbeite noch immer bzw. immer wieder an dem Problem. Das Mädel ist jetzt 9 Jahre alt und entwickelt sich trotz Autismus. Ich würde sie inzwischen von der Zunahme ihrer Wutausbrüche her ebenfalls bereits in die Vorpubertät einordnen. Dorothea - so heißt meine Tochter, findet immer neue verbotene Dinge, die sie ausprobieren muss. Das liegt vor allem an unsere technokratische Welt. Erschwerend hinzu kommt, dass sie offenbar die Bilder sehen kann in meinem Kopf. Wenn wir z. B. ein Bahngleis überqueren, erscheint in den letzten Tagen das Bild, wie Dorothea verbotenerweise auf die Schienen abbiegt. Und eine Sekunde später macht sie das dann auch.
Es geht wohl den Kindern ähnlich wie den Erwachsenen: Die verbotenen Dinge erscheinen zuerst in unseren Köpfen.

Mit hilft es, Gegenbilder zu erzeugen. Das erfordert aber Übung und Ausdauer, sich das Bild vorzustellen, was man denn von seinem Kind möchte, so dass die verbotene Sache sich gar nicht mehr manifestiert.

Und ich achte sehr genau darauf, wie Außenstehende mit meinen Kindern (ich habe drei: 9, 13 und 15 Jahre alt) umgehen. Oftmals haben Fremde oder Freunde viel schneller den passenden Positivsatz als ich selbst. Dabei lerne ich.
Der Tipp von irena_25 hatte mich dazu gebracht, das ständige Weglaufen meiner Tochter und meine Reaktion genauer zu analysieren. Früher hatte ich immer gesagt: Nicht weglaufen. Heute sage ich, wenn auch fast genauso nervig, aber positiv: Dorothea, hierbleiben! Doro schmunzelt dann oft, für sie ist es ein Sport, wann es ihr doch mal gelingt, sich unbemerkt aus dem Staub zu machen.
Jetzt wo ich das so schreibe, kommt mir die Idee, ob ich nicht hin und wieder mal zum Schein darauf eingehen sollte, also das Spiel nach ihren Regeln mitspielen sollte, ihr einfach in einem solchen Abstand heimlich, und dann vielleicht doch offensichtlich folgen, immer so dass nichts passieren kann (Sie läuft auch gern auf die Straße und freut sich, wenn ihretwegen die Autos bremsen.).
An meinen drei Kindern habe ich schon gelernt, dass jedes seine eigene Form von Pubertät entwickelt, der Umgang ist nur begrenzt vergleichbar. Die 13-jährige Johanna ist jetzt mittendrin, mit allem Infragestellen der Dinge, die von den Eltern kommen. Der fast 16-jährige Matthias jagt gerade seine Traumlehrstelle Lokführer bei der DB, begreift gerade, wie ernst das Leben ist und ist damit fast schon durch die Pubertät durch.

Eins erlebe ich bei allen dreien: Auch ich selbst stelle meine Ansichten in Frage, wenn die Kinder das tun, und manchmal auch zu Recht. Die Kunst dabei ist es, trotzdem noch konsequent zu bleiben. Wir können uns gern dazu weiter austauschen.

Schönen Gruß, Andreas


Zuletzt geändert von Andreas Hinz am 19.03.2008, 18:40, insgesamt 1-mal geändert.



18.03.2008, 18:57
Profil Website besuchen

Registriert: 17.03.2008, 15:21
Beiträge: 9
Wohnort: Attergau - Österreich
Beitrag 
Hallo Andreas,

ich freu mich sehr, so schnell von dir zu lesen und natürlich auch, dass ich gute Energie hier reinbringe :D

Ich muss dir sagen, wie sehr es mich berührt, dass du so auf deine Kinder eingehst, so achtsam mit ihnen bist und dir wirklich Gedanken um sie machst! Es ist fühlbar, dass du sie wirklich wahrnimmst als die, die sie gerade sind.

Und wie spannend, dass Dorothea so schnell auf dich reagiert! Das selbe kenne ich auch von Sarah, meiner Tochter.
Und vor einiger Zeit hatte ich eine Idee, die dir vielleicht auch gefallen könnte (falls du nicht schon auf das Gleiche gekommen bist;-))
Wenn Sarah von der Schule kam, machte sie ein Gesicht als wenn gerade alles ganz furchtbar wäre. Sie war erst mal ausgiebig grantig. Und ich jeden Tag auf neue enttäuscht, weil ich mich auf sie gefreut hatte und sie so patzig war.

Und hier die Idee: ich habe mir vorgestellt, wie Sarah freudestrahlend und einfach nur gut drauf zur Türe reinkommt. Vor allem: ich habe mich bewusst in das Gefühl gebracht, welches ich dann haben würde.

Dann ging die Türe auf und herein kam.... eine fröhliche Sarah!
Das hatte ich schon so lange nicht mehr erlebt, dass ich erstmal Sprachlos war! Natürlich habe ich getestet, was passiert, wenn ich das einige Tage so mache: immer kam sie mit einem Lächeln nach Hause.
Leider denke ich nicht jeden Tag daran, das zu tun. Aber immer, wenn ich mir vorstelle und vor allem FÜHLE, wie wir miteinander harmonieren, ist es tatsächlich so!
Bei uns funktioniert es am Besten, wenn ich mir morgens die Gefühle für den Tag herhole, denn in Situationen direkt ist mein Denken wohl noch nicht schnell genug :roll:

Natürlich ist das eine andere Situation als mit Dorothea, Sarah bringt sich nicht in Gefahr. Wenn ich zu Dorothea hinfühle, spürt sich diese Idee aber ebenso gut an.
Was, wenn du dir vorstellst, wie du dich fühlst, wenn Doro einen Tag lang ganz von selbst alles das tut, was sie tun darf.
Wie fühlt es sich an, wenn sie auf dem Gehsteig bleibt, wenn sie einfach mal nur spielt, wenn sie ganz in Sicherheit ist und auch alles um sie herum?
Wie fühlt sich dein Körper an, der ganz entspannt sein darf?
Spannend finde ich, dass sich durch das "Vor-fühlen" die eigene Wahrnehmung verändert und dadurch alles um uns herum. Und Kinder reagieren so schnell darauf...
Vielleicht spricht dich diese Idee an?

Das Infragestellen erlebe ich auch gerade und bin froh, zu lesen, dass auch du deine Ansichten dabei überprüfst! Vielleicht geben uns die Kinder auch das zum Geschenk: sich immer wieder neu mit sich selbst und dem eigenen Weltbild auseinander zu setzen, immer wieder die Chance für Veränderung zu haben, sich selbst auch weiter zu ent-wickeln...

Herzliche Grüße, Marion

Ps.: irgendwie schaffe ich es offenbar nicht, kurze Texte zu schreiben :lol:


18.03.2008, 22:40
Profil
Benutzeravatar

Registriert: 10.04.2007, 01:16
Beiträge: 312
Beitrag 
Hallo Marion,

danke für Deine Gedanken. Das mit den kurzen - langen Texten geht mir auch so. Ich versuche dabei aber immer im Hinterkopf zu behalten, dass wir uns hier für jeden öffentlich über die Verwirklichung der Ideen Anastasias austauschen, und dass bisher Unbeteiligte durch unsere Diskussionen nicht abgeschreckt werden, sondern selbst Interesse bekommen. Mit dieser Grundeinstellung können auch lange Texte fruchtbar werden.

Deine Idee, Dir Deine Tochter positiv vorzustellen finde ich gut. Ich habe mich so etwas noch nie getraut, weil ich befürchte, meine Kinder dann nach meinen Wünschen zu formen. Aber was Du da schreibst, passt bei mir auf alle drei Kinder, zurzeit vor allem auf Johanna, die mir einen vernünftigen Umgang gerade richtig schwer macht. Sie redet kaum noch mit mir, nicht weil sie böse auf mich ist, sondern weil sie spirituell in Welten unterwegs ist, wo ich nicht weiß, mit wem sie da alles zusammentrifft. Sie selbst beruft sich auf eine Schweigepflicht. Mit hat aber ein Freund schon gesagt, dass ich unbesorgt sein kann, dass sie diesen Freiraum für einen eigenen Weg gerade braucht.
Deine Art der bildhaften positiven Vorstellung ist hier genau das, was ich gerade brauche. So kann ich sie doch aus respektvoller Ferne recht gut begleiten. Vielen Dank für diesen Hinweis.

Schönen Gruß von Andreas


19.03.2008, 18:51
Profil Website besuchen

Registriert: 16.01.2008, 17:22
Beiträge: 29
Wohnort: VS-Schwenningen
Beitrag 
Das wichtigste vorallem ist bei der Erziehung der Kinder der Ort an dem sie am meisten sind die schule ihr umfeld und die ganzen Leute mit denen sie zu tun haben. Ohne ein Gutes umfeld werden sie entweder vielleicht fertig gemacht oder sonst was und ich weiß nciht ob das gut für kinder ist. DIe Erziehung geschieht nicht nur durch die Eltern auch Faktoren die die Kinder im Fernsehen sehen mal iregendwo aufschnappen egal was slbst Kleinigkeiten führen schon zu Veränderungen..... woran man erkennt das ein größeres Ereignis das Leben ( seine Einstellung) extremst verändern können... Erziehung hängt hier auch vom "Schicksal" ab.....

_________________
Traue nicht deiner Erfahrung, traue nicht dem was du siehst, traue nicht dem was du fühlst, traue nicht dem was du hörst, traue dem was du denkst!!!


19.03.2008, 21:47
Profil

Registriert: 17.03.2008, 15:21
Beiträge: 9
Wohnort: Attergau - Österreich
Beitrag 
@ Kraeutergnom: schön, dass wir uns gegenseitig Unterstützen können! Durch den Austausch erinnere ich mich auch selbst wieder daran, umzusetzen, was ich schreibe ;-)

@ Ralf: Das Umfeld ist sehr mit-prägend, auch hier können wir Eltern einiges (natürlich nicht alles, das wäre auch nicht zum Besten für die Kinder) beeinflussen.
Nur zum Thema Schule: ich bin für meine Tochter von Salzburg nach Oberösterreich gezogen, weil es hier eine Schule gibt, in der freies Lernen gelebt wird. Also ein völlig anderes Verinnerlichen als im normalen Schulsystem.
Keine Sekunde habe ich diese Entscheidung bereut!
Ich habe voller Freude über diese Freiheit die Möglichkeit des freien Willens, der freien Wahl genutzt und meiner Tochter so ein Umfeld schaffen können, in dem sie sich so entwickeln kann, wie es für sie richtig ist.

Andere Aspekte des Umfeldes sind nicht so sehr wählbar, aber ein Kind stark zu erhalten indem es respektiert wird so wie es ist, ihm Sicherheit, Verständnis und Halt zu geben, das ist möglich.
Auf diesem Boden kann das Kind wachsen und eigene Erfahrungen sammeln.
Und selbst wenn wir scheinbar unser Kind verlieren, können wir es durch unsere Liebe, mit unserer Liebe freigeben.
Und wenn es sein soll, wird es zurückkommen...

Zum Schicksal: Hier finde ich die Be-deutung dieses Wortes unglaublich spannend, gerade was den Bezug zur Er-ziehung betrifft:
"Schicksal: als niederdeutsche Entsprechung zu Geschick in hochdeutsche Texte aufgenommen" (Etymologisches Wörterbuch)
Wie "geschickt" gehen wir/die Kinder mit den "geschickten" (in Ö bedeutet geschickt auch gesendet) Herausforderungen des Lebens um?
Zeigt sich "Geschicklichkeit" oder passiert ein "Missgeschick"? Im zweiten Fall enthalten ist unbedingt die Chance, aus dem Missgeschick zu lernen, um beim nächsten "Schicksalsschlag" neu zu reagieren...
Spannend: in meinem Heimatgebiet fragt man: "Bist gschickt?" gemeint ist: bist du bereit....

So gesehen ist das Schicksal doch ein wirklich großes Geschenk, oder?


25.03.2008, 23:24
Profil

Registriert: 16.01.2008, 17:22
Beiträge: 29
Wohnort: VS-Schwenningen
Beitrag 
Ja du hast recht sicksal ist wirklich ein Geschenk :)
Wow ich finde es echt spitze das du extra für dein Kind weg gezogen bist damit es auf so eine schule kann. Das lernen fällt deinem Kind da bestimmt einfacher und besser als auf den herkömlichen schulen :)

_________________
Traue nicht deiner Erfahrung, traue nicht dem was du siehst, traue nicht dem was du fühlst, traue nicht dem was du hörst, traue dem was du denkst!!!


31.03.2008, 19:55
Profil
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Auf das Thema antworten   [ 23 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Designed by ST Software for PTF.
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de